Rumpelstilzchen

Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine wunderschöne Tochter. Und hier könnte das Märchen zu Ende sein. Aber natürlich ist es das nicht. Der König kommt vorbei. Zufällig. Und zufällig ist er unverheiratet und zieht rastlos durch’s Land auf der Suche nach – was? Ja, was? Und da prahlt der Müller, seine Tochter sei nicht nur schön, sondern sie habe darüber hinaus auch besondere Fähigkeiten. Denn der Müller erkennt sofort, dass der König genau so tickt wie er selbst. Er ist auch so einer, der immer sieht: es ist nicht genug. Nie ist es genug! Er verführt den König mit den Worten: sie kann Stroh zu Gold spinnen! Der König findet auch: Gerade im Finanzbereich ist es nie genug. Und da kommt diese Eigenschaft gerade recht. Glaubt er es? Oder hat er nur eine bösartige Freude daran, den Müller mit seiner dreisten Lüge auf Kosten der benutzten Müllerstochter herauszufordern? Ich denke, er will es glauben. Wir können uns manchmal dafür entscheiden, was wir glauben. Manchmal glauben wir, wir sind arm, viel zu arm. Und manchmal gelingt es uns, zu sehen, dass wir reicher sind, als der König, wenn wird dankbar spüren: es ist genug. Es ist mehr als genug, sagt die wunderschöne Müllerstochter.

Konstanze Ebel